©Girls in Airports

Ambient-Indie-Jazz aus Kopenhagen: Girls in Airports live am Knust

Erstmals seit Jahren wieder in Hamburg: am 22. Juli spielen die vier Kopenhagener live auf dem Lattenplatz – mit einem psychedelisch-spacigem Sound, der seinesgleichen sucht.

Es war heiß. Es war eng. Es war stickig. Es waren andere Zeiten, sehr anders, als ich die Band zum ersten Mal sah. Beim Elbjazz 2013 waren Girls in Airports in Deutschland absolute Newcomer und spielten folglich in einer der kleinsten Locations des Festivals, im Club Golem am Fischmarkt.

Zwei Saxophonisten, zwei Drummer und ein Keyboarder – was für eine Besetzung! Und was für ein Sound, irgendwo zwischen spacigem Ambient und psychedelischem Jazz. Flirrende Wurlitzer-Orgel und afrikanisch inspirierte Rhythmik. Langsam anschwellende Saxophon-Kaskaden, die sich in einen Orkan steigern. Musik zum Davongetragen-Werden. „Es klingt wie Jazz ohne Jazz, Weltmusik ohne Weltmusik, Indie-Pop ohne Indie-Pop“ schrieb die ZEIT vor einigen Jahren.

Die fünf sympathisch uneitlen Typen aus Kopenhagen lernten sich 2009 als Studenten am Kopenhagener Rytmisk Musikkonservatorium kennen. Es folgten vier Alben in fünf Jahren und internationale Touren, besonders in Hamburg erspielten sich Girls in Airports (der Name entstand aus einer Schnapslaune heraus) ein treues Publikum. Nun sind die Dänen nach einer mehrjährigen Pause zurück, an deren Ende sie das vorzügliche Album „Dive“ aufnahmen, nur wenige Tage vor dem ersten Lockdown. Saxophonist Lars Greve hat die Band inzwischen verlassen – erst einmal geht es als Quartett weiter.

Ihre jüngste Veröffentlichung „Leap“, ein Gemeinschaftswerk mit dem Aarhus Jazz Orchestra, zeigt die Band mit einem Sound, den man wohl „cineastisch“ nennen kann. Große Bögen, dramatische Crescendi und Bigband-Arrangements, die an die Scores großer Filmdramen erinnern. Dabei haben die vier längst nicht nur filmische Einflüsse. „Die Kunstform des Romans inspiriert mich am meisten“, erzählte mir Saxophonist und Haupt-Songwriter Martin Stender einmal. „Ein Autor muss aufrichtig sein, und er darf die Aufmerksamkeit seiner Leser nie für eine Selbstverständlichkeit halten.“

Man darf davon ausgehen: Girls in Airports werden den Spannungsbogen während ihres Knust-Gigs am Donnerstag zu halten wissen. Und das Golem-Konzert anno 2013? Am nächsten Tag schrieb ich begeistert, dass die Band „die Zukunft des Jazz“ aufzeige. War das zu hoch gegriffen? Vielleicht. Betörende, anmutige, elektrisierende Musik spielen Girls in Airports jedenfalls noch immer.

Jazzhouse Open Air – Knust Lattenplatz, 22.07., 18.00 Uhr

knusthamburg.de/programm/girls-in-airports/

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