©Yunus Hutterer

Beats und Yoga-Matten: das Feel Jazz Festival im Hafenklang

Hafenklang? Club-GängerInnen wissen: das steht für Punk, Metal und Hardcore. Längst haben sich hier, einen Steinwurf vom Fischmarkt entfernt, auch DJ-Sets und Reihe wie Rap for Refugees etabliert. Und neuerdings hört man im Club vermehrt: Jazz.

Zum ersten Mal findet das winterliche Feel Jazz Festival 2020 direkt an der Elbe statt. Ein knappes Dutzend Konzerte und DJ-Sets an einem Wochenende, ohne Genre-Grenzen. Die JAZZ MOVES-Redakteure Sophie Wackerbauer und Philipp Püschel sind auch an der vierten Ausgabe beteiligt. „Armchair-Jazz hat ausgedient“, sagen die beiden.

„Wir wollen den Zugang zu den Bands erleichtern“, meint Philipp. „Der musikalische Schwerpunkt liegt nicht auf Free Jazz oder Abgefahrenem, sondern ist eher zugänglich. Dennoch möchten wir diejenigen einstimmen, die noch nicht mit improvisierter Musik zu tun hatten.“Das Feel Jazz lädt sein Publikum zum Mitmachen ein: An beiden Abenden gibt es Workshops. So hat der Elbphilharmonie-Musikpädagoge Pirkka Karppinen für den frühen Samstagabend ein Programm entwickelt, das sich ausdrücklich an AnfängerInnen richtet. Auch während der Konzerte sollen die ZuschauerInnen kreativ werden: mit leuchtenden Farben darf beim Live-Painting zur Musik improvisiert werden.

Die Festival-MacherInnen trauen sich, die großen Fragen zu stellen: „Wie fühlt sich Jazz eigentlich an? Und was ist das überhaupt?“ heißt es auf der Homepage von Feel Jazz. Philipp beantwortet die Frage nicht direkt, sagt aber: „Wir möchten einen Feel-Good-Charakter erschaffen, auf allen Sinnesebenen.“ Dazu gehört zwangsläufig Live-Musik, sowohl im unteren Konzertraum als auch im „Goldenen Salon“ mit Panorama-Blick auf die Elbe.

Ein Sextett spielt einen „Tribute to Roy Hargrove“ für den 2018 verstorbenen US-Trompeter, Lena Geue bietet Folkiges dar und Diazpora lupenreinen hanseatischen Funk. Dazu kommen Gäste aus Leipzig (Welten) und München. Aus der bayrischen Landeshauptstadt reist Roman Sladek, Gründer der Jazzrausch Bigband, mit seinem neuen Projekt Slatec an. „Das wird richtig fett“, sagt Philipp. „Komplett live improvisierter Techno mit den Toytoys.“

Die Hamburger Funk/HipHop/Jazz-Jungs sind in verschiedenen Projekten zu hören, so tobt sich Drummer Silvan Strauß in seinem neuen Duo Kur mit Saxophonist Adrian Hanack aus. Und wem das alles zu viel wird: bei zwei Liegekonzerten wird der Goldene Salon, komplett mit Yoga-Matten ausgestattet, zum Entspannungsbecken.

Feel Jazz Festival, 24. und 25. Januar, ab 20:30 Uhr
Hafenklang, Große Elbstraße 84
Eintritt gegen Spende

weitere News:

Ashley Henry – ein Londoner Piano-Talent im Indie-Club

Der englische Keyboarder Ashley Henry spielt seinen Soul-HipHop-Funk-Jazz auf der Reeperbahn. Schon im Häkken gewesen? Kompromisslose Jazzcats werden sich womöglich am Kopf kratzen. Denn der mit stylishem Sichtbeton ausgekleidete Club am Spielbudenplatz ist eher für Indie- und Elektronik-Gigs bekannt – Genres, die Ashley Henry wohl vertraut sind. Der 27-jährige Brite ist zwar studierter Jazzpianist, aber […]

Beats und Yoga-Matten: das Feel Jazz Festival im Hafenklang

Hafenklang? Club-GängerInnen wissen: das steht für Punk, Metal und Hardcore. Längst haben sich hier, einen Steinwurf vom Fischmarkt entfernt, auch DJ-Sets und Reihe wie Rap for Refugees etabliert. Und neuerdings hört man im Club vermehrt: Jazz. Zum ersten Mal findet das winterliche Feel Jazz Festival 2020 direkt an der Elbe statt. Ein knappes Dutzend Konzerte […]

„Gershwin ist für mich New York“ – Interview mit Leon Gurvitch

Minsk 1979. In der Hauptstadt des damaligen Weißrussland wird Leon Gurvitch in eine Musikerfamilie geboren. Früh beginnt er sich intensiv für Musik zu interessieren. Mit sechs Jahren beginnt er Geige zu lernen, schon kurz danach wechselt er zum Klavier und zur Oboe. Spätestens ab jetzt ist klar, dass Leon und die Musik ein Leben lang […]