©Detlef Kinsler

Christof Lauer – „Scheuklappen weg, Risiko an“

Es gibt Musiker, die man nach wenigen Tönen erkennt. Doch so wenige Noten diese Musiker brauchen, so wenige von solchen markanten Künstlerstimmen gibt es. Einer von ihnen ist ganz ohne Zweifel der Saxofonist Christof Lauer. 

Seine Improvisationsphilosophie ist so simpel wie tiefgründig: „Nach vorne gehen, anfangen … und irgendwann wieder aufhören. Anders kann ich das gar nicht beschreiben“, lacht Lauer im Interview in seinem Rückzugsraum, einem kleinen Stimmzimmer im Keller der NDR Studios, in denen die NDR Bigband probt. Wenn man mit dem gebürtigen Hessen jedoch ein wenig länger ins Gespräch kommt, wird klar, wieso seine Philosophie so einfach daher zu kommen scheint. Und zwar, weil er sie so sehr verinnerlicht hat, dass sie ihm in Fleisch und Blut übergegangen ist. „Natürlich übt und hört man total viel und das so lange, bis alles ins Unterbewusstsein abgesackt ist. Dann muss ich nicht mehr denken und kann einfach spielen.“ Und wie er das kann beweist er seit vielen Jahren in unzähligen Formationen, egal ob an der Seite von Joachim Kühn, Albert Mangelsdorff oder Michel Portal. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen.
Getrieben ist Christof Lauer vor allem immer von grenzenloser Neugier. Immer wieder wechseln seine Formationen, genau wie die Besetzungen, mit denen er arbeitet.

Kritiker führen oft eine Mischung aus Einflüssen von John Coltrane, aber auch Stan Getz oder Albert Ayler ins Feld, um zu versuchen zu erklären, wie Christof Lauer klingt. Einflüsse, die der Saxofonist nicht abstreitet, aber wichtiger als die „und das rate ich jedem Musiker, ist es seine eigene Stimme zu suchen und zu finden.“ Mit solchen Künstlern spielt Lauer am liebsten: „Für mich gehört dann auch immer dazu, sich auf die Stimmen der anderen einzulassen, mit ihnen musikalisch zu kommunizieren und Scheuklappen abzulegen – aber dazu müssen alle auch risikobereit sein.“ So hat Christof Lauer für sein aktuelles Trio auch nicht ohne Grund die beiden jungen Hamburger Lisa Wulff und Silvan Strauß ausgesucht. „Beide erfüllen genau das und sind noch dazu eine ganze Ecke jünger als ich. Da bekomme ich total viel neuen Input und es macht einfach Spaß“, schwärmt Lauer.

25 Jahre lang ist Christof Lauer Mitglied der NDR Bigband und hat auch so den Sound Hamburgs mitgeprägt. Jetzt geht er offiziell in den „Ruhestand“, der natürlich aber keiner sein wird, wie er versichert.
Ein „Best of“ seiner Zeit in Hamburg auf die Bühne zu bringen, wollte er auf jeden Fall verhindern. „Alte Kamellen interessieren mich nicht, ich will etwas Neues spielen. Eigentlich ist das auch kein Abschied, es ist zumindest nicht eine solche Stimmung“, erzählt er weiter. Was jetzt auf die Bühne kommt? Nicht einfach nur „etwas Neues“, sondern gleich eine Uraufführung. Chefdirigent Geir Lysne hat ein „Konzert für Saxofon und Posaune“ komponiert. Es featured neben Christof Lauer auch den Posaunisten Stefan Lottermann, wie Lauer auch ein Querdenker, noch dazu stammen sie aus der gleichen Gegend: der Region um Frankfurt. Da werden von Lysne und der NDR Bigband zwei grandios in Szene gesetzt, die beide einfach vorne stehen, anfangen … und wieder irgendwann wieder aufhören.


Die Konzerte am 13. und 14. Dezember um 20 Uhr im Rolf-Liebermann-Studio im NDR sind restlos ausverkauft. Das Konzert wird allerdings im Livestream und bei Facebook übertragen und ist danach in den Mediatheken nachzusehen. 

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