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Der Bassist Avishai Cohen – Rhythmus-Forscher und Diva

Im Hotelfoyer ist Avishai Cohen kaum zu übersehen. Der Bassist, geboren 1970 in einem Kibbuz in Israel, ist groß und kantig. Typ: Actionheld. Oder: Unterhemdenmodel. Cohen, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Trompeter, ist auch Sänger und Komponist. In seiner Musik finden sich nahöstliche wie israelische Einflüsse, die er mit Pop und Modern Jazz verbindet. Am Dienstag, den 3. Dezember, tritt er in der Hamburger Laeiszhalle auf. Im Interview erzählt Cohen JAZZ MOVES von seiner langjährigen Heimat New York City, seinem neuen Trio mit Drummer Noam David und Pianist Elchin Shirinov, und vom Quell seines Selbstbewusstseins.

Avishai, du gehörtest 1992 zur ersten Generation talentierter Israeli-Jazzer in New York…

Ich bin damals mit zwei Freunden gekommen. Seitdem sind hunderte von israelischen Jazzmusikern gefolgt. Es ist fast unwirklich, dass ich an dieser Epidemie einen Anteil hatte. Die Stadt war damals ziemlich dreckig und unsicher. Ich habe mir langsam einen Namen in der Szene gemacht. Bis ich Chick Corea traf.

Er nahm dich in seine neue Band Origin auf und deine Karriere hob ab. Du warst mehr als 15 Jahre in der Stadt ansässig. Ist dein Englisch mittlerweile besser als dein Hebräisch?

Ich habe fast die Hälfte meines Lebens in den Staaten gelebt. Die Sprache hat mich genauso beeinflusst wie meine Muttersprache. Als ich mich dann mit afrokaribischer Musik befasst habe, kam noch Spanisch dazu. Aber wichtiger als jede Sprache ist der Rhythmus. Das ist ein Urinstinkt, genauso wie Atmen. Wenn ich nicht Musiker wäre, wäre ich Rhythmus-Forscher.

In deinem Sound ist viel Rhythmusbasiertes wie Gospel und Soul.

Ich fühle mich einem schwarzen Musikverständnis nahe. Blues ist eine Form, seine alltäglichen Probleme auf einfach verständliche Art zu kommunizieren. Die Musik kann total raffiniert sein, aber die Basis bleibt: sein Herz auszuschütten. Das sind die Aspekte der Musik, die mich als jungen Mann ohne Geld in New York am Leben gehalten haben.

Die Musik hat dir Optimismus gegeben?

Music has held my soul. Deshalb habe ich das Gefühl, etwas zurückgeben zu müssen. Ich bin kein religiöser Mensch, aber in dem Moment, in dem ich neue Songs erschaffe, fühle ich so etwas wie Gott. Eigentlich kann ich nichts mit Religion anfangen. Ich verabscheue die Ignoranz und die Dummheit, die damit einhergeht.

Eine Zeitschrift schrieb einmal über dich, du seist eine „natural Diva”.

Das empfinde ich als Kompliment. Eine Diva kennt jedenfalls ihre Stärken. Auf der Bühne erlaube ich mir, ein Traum-Selbst auszuleben, denn: Das Leben ist so öde! Die Leute wollen bewegt und unterhalten werden. Dann spüre ich den Sinn des Lebens. Kräfte, von denen ich nie zuvor zu träumen gewagt hätte!

Du hast immer ein gutes Händchen für deine Sidemen gehabt. Schon die unbekannten Nitai Hershkovits und Shai Maestro waren in deinem Trio.  Nun spielst du mit Noam David und Elchin Shirinov.

Jede Konfiguration findet ihren eigenen Ansatz. Erst wenn ein Musiker meine Musik interessant findet, wird sie erst wirklich gut. Es ist ein Geschenk, etwas zu machen, das andere herausfordert! So bleibe ich bei gesundem Verstand.

Avishai Cohen Trio:
Laeiszhalle, Großer Saal, 03.12.2019 –  20 Uhr. Tickets hier.

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