©Alexandre Isard
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Der Jazzbär und sein Upright-Piano: Interview mit Chilly Gonzales

Der Kanadier Jason Beck legte sich in Berlin den Künstlernamen Chilly Gonzales zu und hüpfte zu Electro-Rap mit Peaches durch die Nachtclubs. Später gewann der Pianist mit Daft Punk einen Grammy und veröffentlichte eine Reihe von instrumentalen Klavieralben. Seine neue Platte ist der Abschluss einer Trilogie: „Solo Piano III“. Am 11. Dezember spielt Gonzales in der ausverkauften Laeiszhalle.

Chilly, du bist ausgebildeter Jazzpianist. Bekommst du noch immer Gegenwind wegen deiner vermeintlich leicht konsumierbaren Jazz/Pop/Klassik-Alben?

Viele Leute haben dieses verzerrte Bild eines Künstlers, deswegen habe ich gerappt: „I’m not an artist/I just work the hardest.“ Nur weil ich alleine am Flügel sitze, bin ich noch lange nicht wohlerzogen. Ich bin ein Künstler, dessen Priorität die Kommunikation ist. Das heißt nicht, dass ich immer das mache, was beim Publikum am besten ankommt. Es heißt, dass das, was ich mache, überhaupt ankommt.

Die Solo Piano-Alben kamen fast überall an. Über „Solo Piano II” hieß es, es klänge wie die gesamte Musikgeschichte, eingeschmolzen in 14 catchy Songs.

Das ist aber nett. Das Album hat klare, simple Strukturen, die den Pop quasi wiederspiegeln. Zu dem Zeitpunkt war ich geradezu besessen davon, es ging auch um Beschränkung. Bei dem neuen Album geht es eher um Expressivität. Ich fühle mich nun wohler, auch einmal falsche oder mehrdeutige Noten hinein zu bringen. Es ist nicht mehr ganz so einfach konsumierbar.

Dauert der Songwriting-Prozess lange?

Ich habe es zwei Jahre lang vorbereitet. 2016 habe ich mir ein Sabbatical gegönnt, ich habe ein ganzes Jahr lang keine Konzerte gegeben. Ich konnte es mir finanziell leisten, nicht zu arbeiten. Ich fing also an, diese Stücke zu schreiben. Der Anfang ist immer leicht! Dann wird es zu harter Arbeit. Ich spiele die Songs wieder und wieder, bis sie mir sagen, wo sie hinwollen.

Bist du stolz auf deine Solo Piano-Alben?

Ich empfinde immer am meisten Stolz für mein jüngstes Werk. Wenn ich zurück schaue, bin ich aber vor allem stolz auf bestimmte Entscheidungen. Das erste „Solo Piano“ Album zu machen! Das war für meine Karriere und für meine persönliche künstlerische Entwicklung etwas Besonderes. Ich denke noch immer: ‚krass, ich hatte wirklich die Eier, das durchzuziehen.‘ Denn eine Platte mit instrumentalen Klavierstücken war damals kein bisschen naheliegend.

Du warst bis 2004 vor allem als Rapper bekannt.

Alle sagten: mach weiter mit dem Singen und Rappen, dein Publikum will das. Alles in meiner Karriere hat immer jeder Intuition widersprochen.

Interessant: du hast die Solo-Piano-Alben nicht auf einem Flügel eingespielt, sondern dein Upright-Piano von zuhause ins Studio bringen lassen.

Meine Musik wäre ganz anders, hätte ich auf einem Flügel komponiert. Ich freue mich immer, mein Klavier zu sehen, wenn ich nach Hause komme. Aber es ist wie mit jeder Beziehung: es gibt gute und schlechte Tage. Manchmal schaue ich es an und denke: nein, heute nicht. Aber das ist nun das Ende der Upright-Piano-Trilogie. „Solo Piano IV“ – das klingt irgendwie nicht richtig.

Kennst du den deutschen Ausdruck „Rampensau“?

Klar, das bin ich. Auf der Bühne bin ich in meinem Element, ich mache die Musik so, wie ich meine, dass sie gemacht werden sollte. Wenn ich allein im Studio bin, habe ich das Gefühl, mich nur auf Musik vorzubereiten. Ich mache dann nicht wirklich Musik – wie könnte ich?

Die letzte Frage stammt von meiner zehnjährigen Tochter: was wärst du, wenn du ein Tier wärst?

Ein Bär. Ich bin ein großer Typ und obendrein Kanadier. Wenn ich schwul wäre, würde man mich den Bären nennen (lacht). Ich habe breite Schultern und mein Bart wächst schnell. Ich bin ein sanfter Bär, ich bin Balu. So haben mich mehrere Ex-Freundinnen genannt.


Chilly Gonzales spielt am Dienstag, 11. Dezember 2018 um 20 Uhr in der Laeiszhalle (Großer Saal). Es gibt ggf. noch Restkarten an der Abendkasse. 

 

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