©Dario Dumancic

Elbjazz Festival 2019 – die Vorschau auf’s Programm

Das Elbjazz Festival ist eine feste Größe in Hamburgs Veranstaltungskalender. Nach einer Pause konnte sich das Festival reformieren und hat zu alter und neuer Größe zurückgefunden. Organisatorisch entschlackt, musikalisch breit aufgestellt und um die inzwischen fertig gestellte Elbphilharmonie als Spielort erweitert. Mit knapp 29.000 ZuschauerInnen wurde 2018 ein neuer Besucherrekord aufgestellt. Elbjazz ist und bleibt ein absolutes Publikumsfestival. Nabil Atassi ist Moderator auf diversen Elbjazz-Bühnen und stellt das Programm für JAZZ MOVES Hamburg vor.

Programmatisch knüpft Elbjazz in diesem Jahr nahtlos an die Vorjahresedition an. Diese war, zumindest teilweise, in einem heftigen Sturm versunken: Das Konzert von Michael Wollny auf der Hauptbühne musste ausfallen. Wollny, der als erster „Artist in Residence“ bei Elbjazz 2018 gleich mehrere Konzerte spielte, versprach direkt, in diesem Jahr wiederzukommen und spielt nun am 31. Mai mit seinem Trio auf der Hauptbühne auf dem Blohm+Voss Gelände. Auch in diesem Jahr gibt es wieder einen „Artist in Residence“ – und der ist folgerichtig eine Frau. Mit der Pianistin Julia Hülsmann hat man eine der einflussreichsten Jazzmusikerinnen Deutschlands eingeladen. Die Wahl-Berlinerin spielt im Duo mit Christopher Dell, im Quintett ein Beatles-Set und im Oktett mit internationalen Musikerinnen gleich drei Konzerte und ein facettenreiches Programm. Dabei zeigt Hülsmann ihre Stärken: Ihre Coverversionen und Neuintepretationen waren schon zu ihrer Zeit beim Label ECM brillant und ihre kreative Fähigkeit zur Kooperation mit anderen KünstlerInnen bleibt bemerkenswert.

Eine weitere Frau wird im Rahmen von Elbjazz mit dem Hamburger Jazzpreis ausgezeichnet: Die junge Bassistin,  Komponistin und Sängerin Lisa Wulff erhält die Auszeichnung am 1. Juni in der Schiffbauhalle bei Blohm+Voss.

Natürlich funktioniert ein großes Publikumsfestival wie Elbjazz nicht ohne Stars. In diesem Jahr holt man Jamie Cullum nach Hamburg. Der Superstar des Jazz in Großbritannien ist ein Garant für eine spaßige Zeit und die vielleicht beste Antwort auf das aktuelle Theater um den anstehenden Brexit. Auch Kult-Drummer Manu Katché kommt bereits zum zweiten Mal zu Elbjazz. Der kommt mit seinem neuen Album „The Scope“ im Gepäck. Erstmals mit dabei ist die Schweizer Singer-Songwriterin Sophie Hunger, die in Indie-Kreisen längst Kultstatus erreicht hat, mit ihrem aktuellen Album „Molecules“ von 2018 aber eher einen elektronischen Weg eingeschlagen hat.

Der Auftritt von Sophie Hunger ist wieder ein Zeichen dafür, dass neben dem Jazz auch andere Genres ihren Platz bei Elbjazz haben. Und selbstverständlich wird das von den Jazz-Puristen kritisiert. Allerdings hilft es wenig, einem Festival mit Event- und Tourismuscharakter einen engen Jazzbegriff bei der Programmierung aufzuerlegen. In den vergangenen Jahren haben bei Elbjazz immer wieder interessante Bands und Phänomene aus dem Bereich Indie, Rock, Blues und Elektronik Ihren Platz zwischen den Jazzformationen gefunden und dafür gesorgt, dass sich Jazzmusik einem breiteren Publikum zeigte. Interessante Kooperationen wie die eines Florian Weber mit Samy Deluxe oder eines Nils Wülker mit DJ Mad von den Beginnern spielten bei Elbjazz umjubelte Konzerte. Dieser Ansatz hat sich bewährt. Auch in diesem Jahr gibt es eine Menge Bands aus allen möglichen Genres zu sehen: neben der Kultband ADHD aus Island, dem atmophärischen Duo Ätna aus Dresden, treten mit Beatboxerin Kid Be Kid (feat. Julia Kadel), der Saxofonistin Fabia Mantwill und FIEH aus Norwegen wieder eine Menge spannender GrenzgängerInnen, auch jenseits der großen Bühnen bei Blohm+Voss, auf.

Es wird also spannend, wenn sich Hamburg am 31.Mai und 1. Juni zwischen riesigen Containerschiffen, in Schiffsbäuchen und Kirchen, wieder von seiner besten Seite zeigt. Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit.

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