©Matti Kaiser

„Gershwin ist für mich New York“ – Interview mit Leon Gurvitch

Minsk 1979. In der Hauptstadt des damaligen Weißrussland wird Leon Gurvitch in eine Musikerfamilie geboren. Früh beginnt er sich intensiv für Musik zu interessieren. Mit sechs Jahren beginnt er Geige zu lernen, schon kurz danach wechselt er zum Klavier und zur Oboe. Spätestens ab jetzt ist klar, dass Leon und die Musik ein Leben lang verbunden sein werden. Gurvitch beginnt ein Musikstudium an der Musikakademie in Minsk und zieht im Alter von 22 Jahren in seine Wahlheimat Hamburg. Heute ist er das, was er schon immer sein wollte: Komponist, Arrangeur und Bandleader.

Leon, wie bist Du zum Jazz gekommen?

Erstmal habe ich nur Klassik gespielt, mit Jazz hatte ich nichts zu tun. Ich habe jedoch relativ früh angefangen zu improvisieren. Außerdem habe viele Livekonzerte gehört, vor allem Bigband. Und ich habe zusammen mit älteren Jazzern herumgehangen, richtig alte Hasen waren das! Das war eigentlich auch die beste Schule. Wenn man mit diesen erfahrenen Leuten spielt oder Musik hört, dann weiß man recht schnell wo es lang geht. Mit 19 habe ich dann meine erste richtige Jazzband gegründet. Ich habe gemerkt, dass ich meine eigene Musik schreiben möchte. Durch die verschiedenen Einflüsse wie Klassik, Jazz und Folklore entstand dann ein ganz eigene spannende Mischung.

Du hast Dich im Rahmen der Konzertreihe „American Masters“ bereits intensiv mit amerikanischen Komponisten auseinandergesetzt. Jetzt widmest Du George Gershwin nochmal ein eigenes Konzert in der Laeiszhalle. Was fasziniert Dich so an George Gershwin?

Bei Gershwin kann man nicht aufhören seine Musik wiederzuentdecken, etwas neues zu finden oder neu zu interpretieren. Alle seine Lieder sind voller Gestaltungsmöglichkeiten! Die Amerikaner lieben diese Musik, gestern wie heute, da sie sich in ihr wiederfinden. Die Musik ist bis heute ganz tief mit Amerika verbunden. Auch ich habe ein Stück über einen meiner Aufenthalte in den USA geschrieben, das die ganze verrückte Energie in New York widerspiegelt. Da hört man Züge, Donnern, Straßengeräusche. Diese Stadt ist nie langweilig! Gershwin ist für mich New York. Dieses durchgemischte Leben, das geprägt ist von Einwanderern. Dieses Leben hat keiner so widerspiegeln können wie Gershwin.

Gibt es zwischen Dir und George Gershwin weitere Parallelen?

Nunja, es gibt zwei Parallelen: seine Eltern kamen auch aus Russland, sein Nachname war Gershovitz bevor er nach Amerika kam. Er hat somit denselben Background wie ich. Außerdem verbindet uns das Interesse an verschiedenen Stilen. Damals war es nicht normal, dass man Jazz notierte, mit Klassik verband und so afroamerikanische Musik für die große Bühne arrangierte – ziemlich genial!

Welche Neuigkeiten erwarten uns neben der “Gershwin-Gala” im Jahr 2019 von Dir?

Da gibt es eine ganze Menge. Meine orchestralen Werke werden in Albumform veröffentlicht und ich habe Filmmusik für den Film „Noah Land“ geschrieben, der in diesem Jahr in New York Premiere feiert. Außerdem bin ich in der zweiten Jahreshälfte mit dem Autor Sebastian Fitzek auf Tour. Im April wird dann im Theater Magdeburg ein Ballett uraufgeführt, das auf einem meiner Stücke basiert. Was mir besonders am Herzen liegt ist mein Konzert am 25. Mai im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie. Mit einigen hochkarätigen GastmusikerInnen spiele ich dort ein Konzert zu Gunsten von UNICEF. Das wird ein gutes Jahr!


Samstag, 30.03.2019, 20 Uhr: “New Looks at the music of George Gershwin” Leon Gurvitch Ensemble live in der Laeiszhalle, Tickets ab: 30,- €, mehr Infos hier.

 

 

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