©Matti Kaiser

Keep distance, funk on – UEBERTRIBE beim JAZZHOUSE OPEN AIR

Was war das für eine Zeit? Ganz Hamburg stand seit März weitestgehend still. Die Clubs geschlossen, Proberäume dicht und an Live-Konzerte war gar nicht erst zu denken. Das KNUST möchte nun nach langer, Corona-geschuldeter Abstinenz, die ersten vorsichtigen Schritte bei der Durchführung von Live-Konzerten gehen. JAZZ MOVES-Autor Matti Kaiser war beim Season-Opening der JAZZHOUSE OPEN AIR Reihe dabei.

Über den Lattenplatz vor dem KNUST weht eine steife Brise. Die Tische stehen weit auseinander und kleine Grüppchen sitzen wartend auf Bierbänken. Wohl keiner der Besucher*innen hätte sich träumen lassen, dass ein Season-Opening mal in den Juli fällt und dabei so ziemlich alles anders ist als beim letzten Konzert.

Live-Musik in Zeiten von Corona bedeutet auch Bürokratie. Schon am Eingang stehe ich auf Abstand in einer kleinen Schlange und gebe drei ausgefüllte Zettel ab, auf denen ich meine Kontaktdaten hinterlasse. So kann im Falle eines Falles eine Infektionskreis-Nachverfolgung vereinfacht werden.

Mit dem Hamburger Funk Kollektiv UEBERTRIBE um den Gitarristen Legbo (u.a. Diazpora) startet die Reihe. Die Band spielt den ersten Teil des Sets als Quartett, zum zweiten Teil kommen pünktlich zum einsetzenden Regen Bläser hinzu, die den Sound der Band deutlich facettenreicher machen. Die Regenschirme wippen mit der Leichtigkeit des Afro-Beats, der bei UEBERTRIBE auf rockig-funkige Gitarrensolos, eine groovige Orgel, sowie Bass und Schlagzeug treffen, welche präzise wie ein Uhrwerk durch lange Solopassagen führen. Das Kollektiv hat seit Beginn der Corona-Pandemie nicht mehr live gespielt. Ihrer Meinung nach kommen Online-Konzerte und Streams für Soul und Funk nicht in Frage. Was zählt ist nach wie vor das Live-Erlebnis bestehend aus der Interaktion zwischen Musiker*innen und Zuschauer*innen. Eben mehr das Wir als das Ich.

Als ich durch den Hamburger Nieselregen nach Hause laufe, wird mir klar, wie sehr sie damit Recht haben. Live-Musik ist analog und an Menschen gebunden. An ein Miteinander, die Interaktion zwischen Band und Publikum, und an einen Raum, der Distanz zwischen Menschen eher aufhebt als sie zum Grundsatz des Live-Erlebnisses zu machen. Das Team vom KNUST und die Musiker*innen von UEBERTRIBE gehen dafür an diesem Abend exemplarisch und mutig erste kleine Schritte. Es gibt sie also wieder, diese Live-Musik, wenn auch mit Abstrichen. Und noch nie gab es so gute Chancen darauf, die regionale Musikszene kennenzulernen. Internationale und selbst inner-europäische Reisen sind aktuell nur unter Umständen möglich, was für viele ausländische Künstler*innen Tourneen und Konzerte in Hamburg ausschließt. Das gibt dem Publikum jedoch die Möglichkeit, unbekannte Bands aus der Umgebung zu entdecken. Das KNUST schreibt dazu: „Seid neugierig und geht mal wieder einfach so auf Konzerte.“ Denn gut klingt Hamburg nach wir vor.

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Die nächsten Termine:

07.07: TOYTOY

11.07: NuHussel Orchestra

14.07: Horst Hansen Trio

18.07: C.A.R

21.07: We don’t suck, we blow!

Alle weiteren Termine  natürlich in unserem Veranstaltugskalender sowie unter: https://www.knusthamburg.de

Kauft Merch und unterstützt somit das KNUST in schwierigen Zeiten: https://knust.wizard.gmbh

Oder spendet an das Clubkombinat und somit für alle Hamburger Clubs: https://clubkombinat.de/sos-support-now/

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