©Aidan Shepherd

Tenderlonious – Spielen, um bei Verstand zu bleiben

Am Sonntag im Knust: der Londoner Saxofonist und Flötist Tenderlonious mit seinem lässigen Spiritual Jazz-Funk.

Wer Thelonious ist, muss man Jazzfans nicht lange erklären. „Tenderloin“ hat dagegen einen anderen Ursprung: es ist der englische Begriff für ein besonders zartes Lendenstück. Wer nun den Namen des Pianisten Monk, der Standards wie „Round Midnight“ schuf, mit dem einer Fleischspezialität vermengt, bekommt: Tenderlonious.

Es ist der Alias des Londoner Musikers Ed Cawthorne. Jahrelang bastelte er Beats für Grime- und Drum’n’Bass-Künstler und sammelte Vinyl. Sein erstes Instrument wählte er aufgrund seines Vorbildes Yusef Lateef: der posierte auf einem Plattencover mit einem Sopransaxofon. Als Cawthorne dann eines im Schaufenster eines Musikladens sah, lieh er es sich für einige Monate aus.

„Das Saxofon war die richtige Beschäftigung, um bei gesundem Verstand zu bleiben“, erzählte der Engländer dem Blog The Vinyl Factory. „Zu der Zeit putzte ich Klos und schuftete im Baumarkt, weil das Geld nie reichte. Ich kaufte mir ständig neues Studio-Equipment.“ Mit 23 Jahren war Cawthorne ein Spätstarter: er hatte vorher nie ein anderes Instrument gespielt.

Elf Jahre später ist Tenderlonious auch Flötist, und zählt zu den aufregendsten Künstler einer freshen, unberechenbaren Londoner Jazzszene. Sein neues Album „The Shakedown“ hat er in einer einzigen, achtstündigen Session in den sagenumwobenen Londoner Abbey Road Studios eingespielt, zusammen mit Yussef Dayes, dem derzeit wohl besten britischen Drummer. Er leitet sein eigenes Label 22a, benannt nach seiner ersten Adresse in der südenglischen Stadt Woking. Eine seiner Bands hat er nach seiner Großmutter benannt: Ruby Rushton. Das Album „Trudi’s Songbook“ trägt den Namen seiner Mutter, der „Song for Christopher“ den seines verstorbenen Onkels. Ob als Tenderlonious oder Ruby Rushton: Ed Cawthorne verbindet eine Vorliebe für Broken Beats und HipHop mit lässigem Funk und Souljazz, in zurückgelehnteren Momenten spielt er einen sanften Spiritual Jazz. Yusef Lateef würd’s gefallen.

Sonntag, 2. Dezember 2018, 19 Uhr, „Tenderlonious presents Ruby Rushton“ im Jazzhouse Hamburg im Knust.

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