Jazz Moves Hamburg Beta

Spontan, vital und laut: das Elbjazz Festival 2024

Rubrik

Feature

Veröffentlicht

31.5.2024

Autor:in

Jan Paersch

Am 7. Juni beginnt die 13. Ausgabe des Festivals – mit mehr als 50 Acts, vor allem auf dem Gelände der Werft Blohm+Voss. Umsonst-Konzerte gibt’s draußen vor der Elbphilharmonie.

Wann ist ein Jazzfestival ein Jazzfestival? Die leidige Genrefrage stellt sich unvermeidlich, schaut man sich die Headliner des diesjährigen Elbjazz Festivals an. Wer Faithless, The Streets und Jungle kennt, der weiß: das hat mit Dance, HipHop, Trip-Hop, Funk und Pop zu tun, aber wenig mit dem, was Birdland- und Brückenstern-Besuchende kennen und schätzen. Die Entwicklung, die Hamburgs größtes Jazzfestival in den letzten Jahren genommen hat, mögen manche deshalb kritisch sehen.

Was ist Jazz, was darf Jazz? Könnte man den verstorbenen „Jazzpapst“ Joachim-Ernst Berendt fragen, er würde auf sein „Jazzbuch“ verweisen und betonen, dieses Genre beinhalte „eine Spontaneität und Vitalität der musikalischen Produktion, bei der Improvisation eine Rolle spielt“.

Alle der mehr als 50 Live-Acts des Elbjazz, Ausgabe 2024, besitzen diese Gabe. Hier fährt keiner vorprogrammierte Tracks von der Stange ab, hier gilt: im Moment sein. Auf die 10.000 reagieren, die da vor der Bühne stehen.

Die deutschen Indie-Rocker Ilgen-Nur und Betterov setzen dabei auf Melancholie, E-Gitarren und intime Texte; Bands wie Shake Stew und Masaa auf die Verschmelzung sehr unterschiedlicher Genres: bei dem Wiener Septett (2 Bässe, 2 Drummer!) treffen Dub und New-Orleans-Grooves auf Gnawa-Trance, bei Masaa um den außergewöhnlichen deutsch-libanesischen Sänge Rabih Lahoud kommen Jazz, arabische Musik und pure Virtuosität zusammen.

Wie immer bietet das Elbjazz auch Spielstätten für leisere Töne. Dazu gehören die 800 Jahre alte Hauptkirche St. Katharinen (hier spielen die Ausnahme-Improvisateure vom Pablo Held Trio) und der Große Saal der Elbphilharmonie. Auf dem Hauptgelände der Werft Blohm+Voss wird das Party-Programm abgefahren.

Ob Soul und Rock’n’Roll vom achtköpfigen Südstaaten-Ensemble St. Paul and The Broken Bones oder HipHop-Beats und Funk-Breaks vom vielleicht angesagtesten Berliner Musiker derzeit, dem Pianisten Moses Yoofee und seinem Trio – südlich der Elbe, zwischen Hafenkränen und Trockendocks, schlägt das pumpende Herz des Festivals.

Hamburgs Dub-Kosmonauten lassen die imposante Schiffbauhalle erzittern: das Quintett Rocket Menvereint Brass-Band-Rhythmen und treibenden Techno.

Nebenan hat erneut der Jazztruck einen Parkplatz gefunden. Die vom Jazzbüro Hamburg kuratierte Bühne zeigt einige der aufregendsten neuen Hamburger Bands, darunter das Modern-Jazz-Quartett Bluff und das „Weather Report Project“ des Quartetts um den Saxofonisten Konstantin Herleinsberger – sie spielen ausschließlich Songs der Fusion-Götter um Zawinul und Shorter.

Am Vorplatz der Elbphilharmonie präsentieren sich weitere Newcomer – bei freiem Eintritt. Auf der HfMT Young Talents Bühne spielen vor allem junge Hochschulbands, darunter natürlich die Bigband der Hochschule für Musik und Theater. Saxophonist Gabriel Coburger und der facettenreiche Sänger Ken Norris gehören hier zu den vielen Gästen.

Joachim-Ernst Berendt starb im Jahr 2000 in Hamburg – für ihn war Jazz auch eine Musik, die auf Gleichberechtigung, Demokratie, Toleranz und Austausch setzt. So wie für alle, denen es am zweiten Juniwochenende am Hafen Ernst ist mit echten Live-Erlebnissen.

 

Das 13. Elbjazz Festival beginnt am 7. Juni um 16 Uhr und endet Samstagnacht mit einem Aftershowkonzert im Mojo Club.

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