©Kolja Bolewicz

An der Außenalster steppt der Maulwurf – alles über die neue JazzHall

Mitte Juni wurde sie eröffnet, Hamburgs neue, stylische Jazz-Venue. Wann die JazzHall der Hochschule für Musik und Theater alle 199 Sitzplätze belegen kann, und was für 2022 geplant ist, weiß Sophie Wackerbauer.

Ein neuer Konzertsaal an der Außenalster? Das mag überraschen – versteckt dieser sich doch unter einem riesigen Maulwurfhügel im Garten des historischen Budge-Palais. Die prunkvolle Villa aus dem Jahr 1884 ist seit über sechzig Jahren Heimat der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Dort steht der Saal nicht zufällig.

Jahrelang hat Mäzen Dr. Ernst A. Langner mit seiner Stiftung gemeinsam mit der Hochschule für den Bau des neuen Konzertsaals gekämpft und ganze 5,7 Millionen Euro bereitgestellt. Eine weitere Fördermaßnahme um den Jazz-Standort Hamburg attraktiver zu machen. Die Stiftung hatte zum Wintersemester 2014/15 den Dr. Langner Jazz Master eingerichtet. Mit dem Saal bekommen die Studierenden nun eine neue Bühne, um sich nach außen präsentieren zu können. Auch internationale Jazz-Größen können nun direkt an die Hochschule kommen.

Die JazzHall wurde im Juni 2021 eröffnet und alle konnten dabei sein; die siebenminütige Party kann auch heute noch auf Youtube nachempfunden werden. Nur der große Knall blieb, zumindest vorerst, aus. Die Eröffnung war rein digital – aber mit Jazz-Stars wie China Moses und Nils Landgren. Die Corona-Pandemie, durch die schon die Eröffnung mehrmals verschoben werden musste, ließ den neuen Saal nur langsam anlaufen. Anfangs waren nur 25 Gäste möglich, dann 70 unter 3G-Bedingungen. Ab November wird erstmals die volle Kapazität von 199 Sitzplätzen unter 2G-Richtlinien möglich sein. Ein besonderes Gimmick wird ab Mai 2022 getestet: Hinter dem Vorhang im Rücken der Bühne versteckt sich eine Glasfront, die sich zu einer Art Open-Air-Amphitheater Richtung Außenalster öffnen lässt.

Bisher verteilten sich die Jazz-Studierenden für wichtige Aufführungen wie Abschlussprüfungen auf das Theater im Zimmer oder verschiedene Clubs der Stadt. Die diesjährigen Abschlusskonzerte konnten nun schon auf der hauseigenen Bühne stattfinden. Und die ist europaweit für eine Musikhochschule einzigartig.

Der Saal erstrahlt in petrol – eine grünblaue Farbe, die sich als Corporate Design auch auf der Website wiederfindet. Die wellenförmige Deckenstruktur erinnert an die große Schwester. „Hamburgs neue kleine Elbphilharmonie des Jazz“, titelte dann auch das Hamburger Abendblatt. Auch der Klang soll laut dem Produktionsteam mithalten können: „Ob Solo-Klavier, Jazz-Quintett, Kammerorchester oder Big Band – der Raum hält verschiedenen klanglichen Herausforderungen stand und ist damit (…) in einer Liga mit anderen Spielstätten Hamburgs.“ Die JazzHall hat zwar einen klaren Jazz-Fokus, kann und soll aber auch von anderen Fachbereichen genutzt werden.

Die neue Bühne ist schon jetzt ein festes Bindeglied der Hochschule zur Hamburger Jazz-Landschaft – wichtig sowohl für die Ausbildung, als auch für die freie Szene – entscheidend für Nachwuchsmusiker*innen. Gabriel Coburger prägt mit seiner Reihe FATJAZZ seit Jahrzehnten die lokale Musiklandschaft und ist nun mit dem JazzHall Ensemble fester Programmpunkt. Hier treffen nationale Jazz-Größen auf die Studierenden der HfMT. Das nächste Mal am 12. November mit dem Saxophonisten Matthias Schubert.

Auch die Jazz Federation Hamburg, die Reihen wie Jazz Heroes etabliert hat, bringt diese „Helden“ nun mit Hamburger Jazz-Studierenden auf die Hochschul-Bühne. Am 27. November lädt Saxophon-Student Vincent Dombrowski den Vibraphonisten Christopher Dell in die JazzHall ein, am 11. Dezember hat Piano-Studentin Sophia Oster Bill McHenry und Jorge Rossy zu Gast. Doch nicht nur auf der Bühne findet man die Nachwuchs-Talente. Schritt für Schritt übergibt der alteingesessene Verein das Zepter an eine junge Generation Musikschaffender und stellt sich mit Formaten wie der Jazzkitchen neu auf. Seit dem Auftakt mit ECM-Legende Ralph Towner im September finden nun jeden Monat mehrere Konzerte lokaler, nationaler und internationaler Künstler*innen in der JazzHall statt. Eine Besonderheit für alle HfMT-Studierenden – für sie ist der Eintritt stets kostenlos.

Im Mai 2022 soll die große Eröffnung nachgeholt werden: Als zweiwöchiges Festival mit internationalen Gästen, an dem sich die Hochschule sowie Hamburger Akteur*innen gebührend präsentieren können. Eingespielt sind sie dann schon. Wir drücken die Daumen.

www.jazzhall.de

Die nächsten Termine:

29.10. – Michel Schroeder Ensemble (Jazz Federation)

30.10. – Filip Dinev & Teemu Viinikainen

03.11. – Brass Night

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