©Bernd Hellwage

Die Gewinnerin des Hamburger Jazzpreis 2019: Lisa Wulff im Portrait

Seit 28 Jahren gehört Lisa Wulff zu Hamburg. Seit sechs Jahren ist die junge Bassistin fester Bestandteil der Jazz-Szene. Seit 2007 werden Musikerinnen und Musiker alle zwei Jahre mit dem Hamburger Jazzpreis ausgezeichnet – Lisa Wulff ist nun eine davon. Wie wird man zur erfolgreichen Jazzmusikerin und wie sieht Lisas Alltag aus? 

Lisa ist auf dem Sprung zu einer Probe, doch für Interviews nimmt sie sich gerne Zeit. Das überhaupt Zeit bleibt ist ein Wunder. Im Bandkontext sei sie ein „verlässlicher, energetischer Motor“, so die Jury des Jazzpreises. Und dieser Motor ist gefragt: Ob mit Caecilie Norby, Rolf Kühn oder Nils Landgren, Lisa ist zur Zeit vier Tage pro Woche, manchmal aber auch drei Wochen am Stück auf Tour. Sie ist gerne „Sideman“, doch am meisten Raum gibt sie ihrem eigenen Quartett. Seit 2013 komponierte sie zwei Alben, übernimmt Management und Booking selbst – ihre treuen Gefährten Adrian Hanack, Silvan Strauß und Martin Terens stets an ihrer Seite.  

Begonnen hat Lisas musikalische Geschichte im Keller ihrer Eltern – der Band ihres Bruders fehlte ein E-Bass. Mit dem anschließenden Vorspiel als Bassistin für die Schul-Bigband war ihr Schicksal besiegelt: Sie wird keine Gitarristin. Doch ihr Herz brennt schon damals nicht nur für die Musik. Auch heute noch besucht die viel beschäftigte Musikerin noch regelmäßig ihren Karate-Verein. „Einfach ein wichtiger und schöner Ausgleich zum Musik machen – die ganze Zeit den Kopf anhaben und emotional sein beim Spielen und wenn man ins Training geht ist einfach alles aus.“ Das Karate-Training war auch der Ort, an dem Lisa ihren inzwischen verstorbenen Professor Detlev Beier kennen lernte, der sie schließlich zum Kontrabass brachte. 

Zum Unterrichten bleibt Lisa Wulff, die einst in Bremen Musikerziehung im Bereich Jazz und jazzverwandte Musik studierte, leider nicht viel Zeit. Umso mehr freut sie sich, als Kontrabass-Dozentin ihr Wissen beim Eventim Popkurs an der Hochschule für Musik und Theater weiterzugeben. Hier kann sie E-Bassistinnen und E-Bassisten vom Klangspektrum und den vielen Möglichkeiten, die ein akustisches Instrument mit sich bringt, begeistern. 

Seit 2013 ist Lisa wieder in ihrer Heimat Hamburg und hat ihren Kiez in Barmbek gefunden. Nach actionreichen Tourneetagen verbringt sie am liebsten Zeit zu Hause. Dort heißt es aufstehen, Kaffee, Üben, am Klavier komponieren und Booking und Organisation für das Lisa Wulff Quartett, bevor es dann doch wieder losgeht – zu einem Konzert oder einer Probe. Ist der Kühlschrank nach der Tour leer, geht es zum Stammitaliener um die Ecke. Braucht sie doch mal richtig Ruhe, geht’s nach Volksdorf zu ihren Eltern. Auf längeren Touren muss dann auch mal im Hotelzimmer geübt werden und musikalische Ideen auf’s Handy gespielt oder gesprochen werden. Übrigens (abgesehen vom Instrument) immer dabei: Bluetooth-Box und Kopfhörer – denn Lisa bekommt nie genug von Musik.

Lisa schätzt die Hamburger Musik-Szene, nicht nur aufgrund ihrer Herkunft. Die Szene ist klein und sehr familiär. Es gibt viele schöne Orte, an denen man spielen kann und spannende Projekte wie Fat Jazz – Urban Exchange, die den Austausch zu anderen Szenen fördern, der ihr sehr wichtig ist. Wie sehr die Szene Lisa Wulffs musikalische Beiträge schätzt, zeigt auch der Hamburger Jazzpreis. 

Damit ihr Lisa Wulff auch musikalisch kennen lernen könnt, hat sich die Bassistin drei Titel ihres neuen Albums Wondrous Strange ausgesucht, die sie am besten abbilden: 

  1. In My Head: Der Sopran-Bass, den sie in diesem Stück spielt, ist wichtiger Bestandteil ihrer Instrumentenfamilie geworden.
  2. Rumo’s Adventure: ist facettenreich und frei und
  3. From A Donkey’s Point of View: Da ihr als selbstbetitelte „Balladen-Tante“ Balladen sehr wichtig sind.

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