©Jenny Jacoby
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Sophie entdeckt Jazz unter Wasser – bei Jazz im Wasserwerk

Heute führt mich der Jazz auf eine Insel. Die Insel Wilhelmsburg. Und wieder gleicht mein Konzertbesuch einem spontanen Sonntagsausflug – heute an einem Donnerstag. Der perfekte Abendverlauf lautet wie folgt und ist schwer – nein, leicht zu empfehlen: 1. Aufbruch Richtung Hamburger Hafen in der Abenddämmerung (Achtung: Hunger noch nicht mit Fischbrötchen stillen!), 2. Eintauchen in die Wilhelmsburger Kulinarik und 3. auf ein bis fünf Bier ins Wasserwerk. Wilhelmsburger dürfen den ersten Schritt überspringen, wahlweise durch einen Spaziergang am Deich im Sonnenuntergang ersetzen. 

Ein freundlicher Tunnelwärter setzt den alten großen Aufzug nur für mich in Betrieb, um mich in den alten Elbtunnel hinunter zu begleiten. Offensichtlich macht ihm diese Aufgabe immer noch große Freude. Die Reise geht vorbei an Blohm & Voss. Spätestens seit dem Elbjazz dürfte Jazz doch eigentlich nicht mehr von den Elbinseln wegzudenken sein? Weiter durch Container-Landschaften und von der nächtlichen Ruhe des Industriegebiets hinein ins wilde Getümmel Wilhelmsburg. Vorbei an Vietnamesen, Pizzerien, Griechen, Dönerbuden. Durch ein friedliches Wohngebiet. Ich biege in einen dunklen Parkweg ab. Rote Schilder weisen mir den Weg zum alten Wasserwerk, das sich schon bald vor mir auftürmt. Beleuchtet wie ein Palast. Was, wenn Kohlekraftwerke so hübsch wären? Die gesamte Band begrüßt einen herzlich, wuselt herum, schenkt Getränke aus. Gäste trudeln ein.

Clémence Manachère – eigentlich Architektin – freut sich, hier ihre Liebe zu Architektur und ihre noch größere Leidenschaft, den Jazz, zu vereinen. Das ursprüngliche Wilhelmsburger Wasserwerk wird heute als äußerst schicke Hochzeitslocation genutzt. Clémence öffnet sie seit Oktober 2018 auch Leuten, die sich nicht trauen. Die WilhelmsburgerInnen sind begeistert. Sie sind merkbar stolz auf alles, was die kulturelle Vielfalt auf ihrer Insel fördert. Dabei sprechen sie über die französische Flötistin wie über ein Enkelkind. Wie schön sie doch spiele, wie schön diese Konzerte doch seien, wie sie sich freuen, dass die Konzerte immer besser besucht werden und wie man dies in Zukunft noch fördern könnte. 

Clémences Unterwasser Quartett spielt zwei Sets. Das Publikum ist begeistert und hört achtsam zu. Das Quartett bringt heute das Rundum-Wohlfühl-Paket. Ein Stück, welches das Unterwasser Quartett für uns spielt, ist so lang, dass die Noten von den Ständern flattern. „Unpraktisch, aber schön“, sagt Clémence. Mein Motto für den Abend. Die lange Anfahrt hat sich auf jeden Fall gelohnt (WilhelmsburgerInnen haben übrigens keine Ausrede). Der Elbtunnel ist menschenleer bis auf einen einsamen Geiger, der Take 5 durch den Tunnel hallen lässt. Der Abend klingt noch lange nach. 

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