©Bart Babinski/ECM

Stille, Hall und Raum – Manfred Eicher (ECM) in der Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie öffnet dem bekannten Jazz-Produzenten vier Tage lang ihre Türen. Vom 3. bis zum 6. Februar lädt Manfred Eicher Künstler wie Anouar Brahem, Egberto Gismonti und Avishai Cohen (tp) in die beiden Säle des Konzerthauses.

Es gibt eine berühmte Geschichte, die viel über Manfred Eichers Passion erzählt. Der Bassist und Produzent war von Stuttgart nach Zürich unterwegs und schaltete das Radio ein. Es lief ein Stück, das ihn bewegte wie kaum etwas je zuvor, eine engelsgleiche Komposition. Doch der Empfang war nicht gut genug. Eicher fuhr von der Autobahn ab und hielt auf einem Hügel, wo er eine halbe Stunde verharrte. Doch von wem stammte das Stück? Es war das Jahr 1980, und Playlists waren nicht leicht zu bekommen. Erst Monate später fand Eicher heraus, dass es das Werk eines estnischen Komponisten gewesen war. So traf sich Eicher mit einem gewissen Arvo Pärt und verabredete Aufnahmen mit ihm. Pärt wurde zum wegweisenden Protagonisten der frisch gegründeten Reihe ECM New Series.

Heute gilt ECM vielen als wichtigstes Jazz-Label Deutschlands. Weit mehr als 1000 Alben hat die Firma seit 1969 veröffentlicht. Der Name steht für Keith Jarrett und Jan Garbarek, für Klassik, Neue Musik und Jazz. Das transparente Klangbild und die meditativen, zuweilen traumartigen Stimmungen korrespondieren direkt mit der kühlen Cover-Gestaltung. Motto: „The most beautiful sound next to silence“. Die Stille zwischen den Noten ist Manfred Eicher genauso wichtig wie die Noten selbst.

Eicher war als Gründer von Anfang an dabei: mit sensiblen Tontechnikern wie Jan Erik Kongshaug setzte der ehemalige klassische Kontrabassist seine Vision von perfektem Sound um. Nun gestaltet der Wahl-Münchner als erster Nicht-Musiker den „Reflektor“ – eine Reihe, bei der KünstlerInnen mehrere Tage lang das komplette Elbphilharmonie-Programm kuratieren. Im Großen und Kleinen Saal des Hauses finden acht ECM-Konzerte an vier Tagen statt, darunter ein Doppelkonzert des Quartetts des israelischen Trompeters Avishai Cohen, der nach einem Set des Brasilianers Egberto Gismonti auftreten wird. Gismonti, der von der indigenen Musik der Xingu ebenso beeinflusst wurde wie von US-amerikanischem Modern Jazz, ist einer der wenigen weltweit, der sowohl als virtuoser Pianist als auch als brillanter Gitarrist gilt – und mit einer achtsaitigen Spezialgitarre auftritt.

Zur Eröffnung werden Arvo-Pärt-Kompositionen vom Tallinn Chamber Orchestra aufgeführt; das Orchester begleitet am Mittwoch auch das Quartett des tunesischen Oud-Virtuosen Anouar Brahem. Dazu gibt es Filmvorführungen und eine „Listening Session“, bei der Manfred Eicher im Kleinen Saal Lieblingsstücke auflegt. „Silence“ wird auch hier eine Rolle spielen. Schließlich beginnt jede ECM-Platte mit fünf Sekunden absoluter Stille.

Reflektor Manfred Eicher
Acht Konzerte, Elbphilharmonie, 03.02. – 06.02.2020

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