©Matti Kaiser

Don’t Mess with Michel Schroeder – der Trompeter und Komponist im Interview

Es ist warm in Hamburg, viel zu warm. Vor der Hochschule für Musik und Theater bewegt sich alles deutlich träger als sonst. Auch Michel Schroeder hat sich in den Schatten zurückgezogen. Dort berichtet der Trompeter, Komponist und Bandleader in einem humorvollen Interview JAZZ MOVES-Autor Matti Kaiser von seinem ersten Hit, der Zusammenarbeit mit 17 MusikerInnen und dem anstehenden Konzert im Resonanzraum.

Michel, wieso Trompete und wieso Jazz?

Mein Vater hat Trompete gespielt, das wollte ich dann auch. Ziemlich früh war klar, dass ich Jazz machen will. Vor einer Band im Mittelpunkt stehen, wichtig sein. Dieser eine Typ sein, der grad das Solo spielt! Klingt vielleicht unsympathisch, war für mich aber ein Kerngedanke von dem, was ich als Musiker machen will. Und natürlich die Improvisation. Zu wissen, das jedes Konzert völlig anders ist, dass man niemals etwas so spielt wie zuvor. Das hat mich gereizt!

„Mein erster Hit“ heißt einer Deiner Songs. Was war denn früher für Dich Dein erster Hit?

Mein Vater hat viel Jazz gehört und unter anderem eine Platte, die wohl wirklich jeder kennt. „Kind Of Blue“ von Miles Davis. Das war schon ziemlich früh eine wichtige Aufnahme für mich, die mich sehr geprägt hat. 

Du hast mit dem Michel Schroeder Ensemble 17 MusikerInnen um Dich herum. Wie organisiert man so etwas? Und wie läuft Eure Zusammenarbeit ab?

Also, um ehrlich zu sein: Es ist stressig! Aber es ist es wert. Man muss einfach sehr weit im Voraus planen. Unser erstes Konzert war eine echte Erlösung und noch mal eine Bestätigung warum ich mir den Stress antue. Auch musikalisch hat alles noch besser als in den Proben geklappt!

Deine Vita liest sich schon jetzt recht ordentlich. Du bist Preisträger des Lübecker Jazzpreises, jetzt hast du beim Elbjazz gespielt und bist Bandleader eines 17-köpfigen Ensembles. Was kommt als nächstes?

Sie kann sich noch deutlich ordentlicher lesen! Ich versuche momentan mich für weitere Preise zu bewerben, an größere Festivals heranzutreten und mit dem Ensemble eine CD aufnehmen. Dann soll eine Release-Tour folgen. Die Hoffnung ist, dass dieses Ensemble bekannt und über lange Sicht auch kommerziell erfolgreich wird.

Du spielst ja nicht nur ein Trompete, sondern komponierst viel. Wie ist es dazu gekommen?

Ich habe mit 13 zum ersten Mal eine Bigband gehört, die die Komposition von einem der Bandmitglieder gespielt hat. Mich hat beeindruck, wie jemand so etwas schreiben kann! Und dass er sich aussuchen kann, was in diesem oder jenem Moment gespielt wird. Beim Komponieren hat man den Vorteil, dass man die Arbeit die andere auf der Bühne verrichten schon Zuhause vorbereiten und planen kann. Das fühlt sich gegenüber freier Improvisation manchmal etwas geschummelt an. Aber für mich funktioniert das gut!

Was erwartet die ZuhörerInnen beim Konzert am 01.07.2019 im Resonanzraum?

Ein bunter Abend für die ganze Familie. Das klingt natürlich irgendwie doof aber da ist durchaus etwas Wahres dran. Es gibt einfach kaum Musik, die ich nicht mag. Und somit sehr viel, was ich machen möchte und vorhabe. Und das hört man auch beim Michel Schroeder Ensemble. Es geht dort in viele Richtungen. Wir spielen dort Stücke mit Elementen von Swing, Techno, Free-Jazz, Latin und Klassik.

Einer deiner Titel heißt „Don’t mess with Papa Schlumpf“. Was hat es damit auf sich?

„Don’t mess with Papa Schlumpf“ ist angelehnt an einen Song von John Coltrane, wovon ich ein Stück der Basslinie und des Intros übernommen habe. John Coltrane ist wohl der „Papa Schlumpf“ des Jazz. Da dachte ich: Leg dich lieber nicht mit dem an! Und naja, ein bisschen Quatsch ist der Titel halt auch.


Montag, 01.07.2019, 20 Uhr: Michel Schroeder Ensemble live im Resonanzraum, Tickets ab 7,10€ hier.

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