©Frank Siemers

Nordsnø Ensemble – Skandinavische Folklore made in Hamburg

Im Interview mit JAZZ MOVES Autor Matti Kaiser sprechen die Brüder Ken und Vincent Dombrowski über musikalische Anfänge mit einer gelben Blechtrommel, die Faszination von Folklore, und was Radiohead mit dem neuen Album ihres acht-köpfigen Nordsnø Ensembles zu tun hat.

Ihr seid Brüder und beide Jazzmusiker. Habt ihr eine gemeinsame musikalische Historie?

Ken: Wir haben schon im Kinderzimmer zusammen gejammt.
Vincent: Ken hatte eine gelbe Blechtrommel und ich ein Keyboard – letzteres aber nur, um darauf Schlagzeug zu spielen.
Ken: Damit hat es angefangen! Stilistisch gab es dann alles von Rock über Soul bis hin zu einem Weihnachtsprojekt, aus dem das heutige Nordnsø Ensemble entstanden ist. Letztlich sind unsere Wege recht parallel verlaufen – obwohl wir total unterschiedlich spielen.

Wie seid ihr dann doch beim Jazz gelandet?

Vincent: Wir sind mit Sachen wie Pink Floyd aufgewachsen, aber auch mit Dixie und Fusion. Für mich hatte der Sprung zum Jazz insbesondere mit einem Lehrer zu tun, der auch Jazzmusiker war. Durch ihn habe ich mit mit Improvisation beschäftigt, bin zu Konzerten gegangen und fand den Lifestyle einfach cool!
Ken: Bei mir ging es los, als ich die Posaune entdeckt habe. Ab der Schul-Bigband war klar, dass auch ich im Jazz lande.

Ihr habt vorhin von Weihnachtsmusik gesprochen. Inwiefern stellt diese den Anfang vom Nordsnø Ensemble dar?

Ken: Wir haben jedes Jahr ein Weihnachtskonzert in Lüneburg gespielt, jedoch nur mit wirklichen Klassikern. Vincent hat dann die norwegische Sängerin Helena kennengelernt. Daraufhin haben wir haben das Konzept umgemünzt – hin zu skandinavischer Folklore.
Vincent: Sie hat bei einem Gig einige solcher Songs mitgebracht. Allen in der Band war klar – das ist cool.
Ken: Uns gefällt einfach die Idee von „Volksmusik“, auch wenn das in Deutschland meist negativ konnotiert ist. Für uns ist die Sache klar: Wir versuchen, altes Material in einen modernen Kontext stellen. Da sind wir auch schon beim Jazz.
Vincent: Die Songs sind außerdem harmonisch interessant, haben komplexe Farben und lassen sich toll arrangieren. Insofern hat es sich natürlich angefühlt, sie als Grundlage für das Nordsnø Ensemble zu nutzen.

Aktuell seid ihr in der Endphase der Produktion. Könnt ihr verraten, was auf dem neuen Album passiert?

Vincent: Die Arrangements sind deutlich ausgeklügelter und alle Mitglieder des Nordsnø Ensembles kommen mehr zur Geltung. Es gibt ein Kernstück: die „Suite“. Das Stück könnte auch als Geschichte der Band verstanden werden. Es fängt mit einem folkloristischen Satz an, dann wird es balledesk-elektronisch und schlussendlich folgt meine persönliche Interpretation von Radiohead.
Ken: Wir haben außerdem eine verzerrte Gitarre, die ziemlich gut zu einem Rockvibe passt, der an einigen Stellen zu hören ist. Gleichzeitig nutzen wir elektronische Soundeffekte. Anders ist jedoch vor allem unsere neue schwedische Sängerin Anna Arco, die mit ihrer Art zu singen Farbe in die Musik bringt. Bei ihr habe ich das Gefühl, den Text zu verstehen, obwohl ich die Sprache nicht spreche.

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Das Album auf Spotify.

https://nordsnoensemble.com

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