©Nikolas Fabian Kammerer

TOYTOY: Urban Beats von der Nordseeinsel

Drei Allgäuer und ein Friese ziehen sich für ein paar Tage raus aus dem Hamburger Großstadttrubel und schließen sich in ein Tonstudio auf einer Nordseeinsel ein. Dort nehmen sie Musik auf, die ganz besonders den Puls der Großstadt und des urbanen Lebens atmet. Klingt komisch? Die Band TOYTOY hat genau das getan und jetzt ihr neues Album „The Watt Watt Session“ auf Vinyl veröffentlicht.

Am Dienstag werden die vier die Platte beim JazzLab im Volt präsentieren und danach natürlich touren. Bei der Probe in ihrem Studio in Altona erzählen Alex Eckert (Gitarre), Daniel Stritzke (Bass), Samuel Wootton (Percussion) und Silvan Strauß (Drums), dass die Aufnahmesession auf Föhr eigentlich auch ein Trip zu den eigentlichen Wurzeln der Band war. Silvan, Samuel und Alex kennen sich noch aus ihrer gemeinsamen Jugend, die sie in ihrer Heimat, dem Allgäu, verbracht haben. Daniel – er stammt von der Insel Föhr – lernten sie später während dem Studium in Hamburg kennen.
„Ich weiß noch, ich hab Alex in Marktoberdorf kennen gelernt und das war so vor zwölf Jahren – wir kommen also jetzt quasi in die Pubertät“, erzählt Silvan Strauß und muss herzhaft lachen. Eckert erinnert sich: „Wir hatten die erste Session tatsächlich in Kempten in so einem Musikschulraum im Schlagzeugkeller und dann hieß es so: ‚Der Samuel, der kann auch Marimbafon spielen…‘ und dann haben wir einfach losgelegt.“

Ganz in diesem Sinn hat TOYTOY also zwei Autos mit Equipment vollgeladen, Daniel Stritzke organisierte einen Termin im Studio auf Föhr. „Jeder hatte neues Material dabei und wir haben uns einfach mal eingeschlossen“, grinst Samuel vergnügt. „Außer uns und dem Fotografen war dort niemand. Nur wir und unsere Musik“.

Dass in diesem Setting Musik entstehen kann, die fließend zwischen urbanem Jazz, HipHop und Electronic wandelt, könnte man als überraschend bezeichnen. Alle vier TOYTOY-Jungs stammen zwar aus dem ländlichen Raum, aber genau deshalb haben sie einen besonderen Zugang zum Sound der Großstadt, findet Daniel Stritzke: „Das merkt man erst viel später, was auch die Idylle auf einen für einen Einfluss hat. Das ist schon anders, wenn man sich als Jugendlicher immer so ein bisschen aus dem Kleinstädtischen wegträumt und dann wieder dorthin zurückkommt.“

Auf „The Watt Watt Session“ zeigen sich vier Ausnahmemusiker, die in ihrer neuen Band nicht nur ihre alten Projekte vereinen, sondern weiterentwickeln und zeigen, warum sie über Jahre zu „musikalischen Seelenverwandten“ geworden sind und als vier Quittjes ihre Heimat in Hamburg gefunden haben.

Hier ist der Link zum Album in digital und zur Vinyl.

Release-Konzert in Hamburg: Dienstag, 4. Dezember 2018, 20 Uhr, VOLT. 

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